Ökumenisches Jugendprojekt Mahnmal Neckarzimmern

 

Gedenkstein für die am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportierten jüdischen Untergrombacher beim
Mahnmal in Neckarzimmern feierlich eingeweiht

 

 

Bei der Einweihung des Untergrombacher Gedenksteines in Neckarzimmern. Von links nach rechts:   Gemeindereferentin Beatrix Körner, Melanie Weick, Daniel Eschbach, Pfarrerin Andrea Knauber, Katharina Weick, Dietmar Konanz, Sarah Budig, Karl Mangei  (Foto: om)

 

 Untergrombach ist jetzt auch mit einem Gedenkstein in Neckarzimmern beim ökumenischen Jugendprojekt „Mahnmal für die deportierten Jüdinnen und Juden Badens“ vertreten. Vor wenigen Tagen wurde der Stein, zusammen mit acht weiteren Gedenksteinen, in Neckarzimmern im Rahmen einer Gedenkfeier eingeweiht. Das Mahnmal-Projekt in Neckarzimmern will daran erinnern, dass im Jahr 1940 aus 137 badischen Gemeinden Jüdinnen und Juden nach Gurs deportiert wurden. Ziel des Projektes ist es, dass in jedem der Deportationsorte von Jugendlichen Gedenksteine gefertigt werden und sie sich so mit der Deportationsgeschichte auseinandersetzen. Inzwischen sind bereits 99 der 137 badischen Deportationsorte vertreten.

 

 Gemeinsamer Träger des Projekts sind die Evangelische Jugend Badens und die katholische Jugendarbeit in der Erzdiözese Freiburg. Durch Pfarrerin Andrea Knauber wurde der Gedanke des Mahnmal-Projekts in die Diskussion in Untergrombach eingebracht, und diese Idee wurde im vergangenen Jahr anlässlich der Vorbereitungen für die Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Deportationen nach Gurs von einer Gruppe junger Menschen als ökumenisches Projekt aufgegriffen. Bei der Spurensuche nach Resten jüdischen Lebens in Untergrombach stieß man, mit Unterstützung von Dietmar Konanz, dem Vorsitzenden des Untergrombacher Heimatvereins, auf den noch verbliebenen Fensterbogen der ehemaligen Untergrombacher Synagoge.

 

Bei der Feier in Neckarzimmern stellten Melanie Weick und Sarah Budig, als Vertreterinnen der Untergrombacher Gruppe, die Idee vor, die an dem Stein gestalterisch umgesetzt wurde: Auf dem Gedenkstein ist der Rundbogen des Untergrombacher Synagogenfensters dargestellt. Dieser Bogen bricht jäh ab und ist genauso zersplittert wie eine eingesetzte Glasscheibe. Abgebrochen und zersplittert wie einst das Leben der jüdischen Mitbewohner, die bis dahin in das Dorfleben von Untergrombach eingebunden waren. Die Jugendlichen hatten viele Stunden bei Steinmetz Stadelwieser in Heidelsheim zugebracht und unter fachkundiger Anleitung den Stein bearbeitet. Der Dank aller Projektbeteiligten galt deshalb Sonja Stadelwieser-Spiegel und Stephan Spiegel von der Steinmetzfirma in Heidelsheim. Begleitet wurde das Projekt von der evangelischen Pfarrerin Andrea Knauber und der katholischen Gemeindereferentin Beatrix Körner sowie von Ortsvorsteher Karl Mangei. Ein Dankeschön ging an die Firma BGT Bischoff Glastechnik für die unkomplizierte Fertigstellung der Glasscheiben. Als weiterer Schritt ist die Aufstellung eines entsprechenden Steines in Untergrombach vorgesehen.(ma) (Quelle: BNN-Bruchsal, Ausgabe 29.10.2011)

 


Sarah Budig und Katharina Weick mit dem sich noch
in Arbeit befindlichen Gedenkstein
 
Der am 23. Oktober 2011 in Neckarzimmern eingeweihte Gedenkstein aus Untergrombach.

 

 

Ökumenisches Jugendprojekt Mahnmal: Untergrombacher Gedenkstein wird eingeweiht  (17.10.2011)

 

Am kommenden Sonntag wird der Gedenkstein für die Untergrombacher Juden im Rahmen einer Gedenkfeier am Mahnmal in Neckarzimmern eingeweiht. Das Neckarzimmerner Mahnmal ist die einzige Gedenkstätte in Baden, die an die landesweite Deportation iam 22.Oktober 1940 erinnert. Damals wurden rund 6.500 jüdische Personen aus Baden, der Pfalz und der Saarpfalz in das Lager Gurs in Frankreich verschleppt. Gurs war für viele nur Durchgangsstation in das Konzentrationslager Auschwitz und damit in den Tod.

 

Eine Gruppe von neun Untergrombacher Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat sich bereits vor einem Jahr zusammengefunden, um das Projekt zu planen. Anlässlich des Gedenkens zum 70. Jahrestag der Deportation badischer Juden in das Lager Gurs/Frankreich am 22. Oktober des vergangenen Jahres beschäftigten sie sich eingehend mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte und gestalteten eine beeindruckende Gedenkfeier in der Untergrombacher Ortsmitte. In den darauf folgenden Monaten entwarfen sie den Stein, der die Zerstörung des Untergrombacher jüdischen Lebens darzustellen versucht. Dazu haben die Jugendlichen den noch verbliebenen Fensterbogen der ehemaligen Untergrombacher Synagoge als Idee aufgenommen: In diesem Fensterbogen befindet sich ein Stück zerbrochenes und zersplittertes Glas, dahinter sind drei hebräische Buchstaben zu erkennen, die für einen der hebräischen Gottesnamen stehen. Auf den Seiten sind die Inschriften „Untergrombach“ und „Gurs“ zu lesen. Die Gruppe hat einen hellen Sandstein für das Vorhaben gewählt, der die vorgegebenen Maße 50x50 cm und eine Höhe von 100 cm innehat. In sechs mehrstündigen Arbeitstreffen bei der Firma Stadelwieser in Heidelsheim wurden – wie es das Projekt vorsieht – zwei identische Steine unter fachkundiger Anleitung der Steinmetze Sonja Stadelwieser-Spiegel und Stephan Spiegel und hergestellt.

 

Der zweite Stein ist für Untergrombach vorgesehen und soll dort gesetzt werden. Begleitet wird das Projekt von Pfarrerin Andrea Knauber von der Evangelischen Christusgemeinde Unter- und Obergrombach sowie von Gemeindereferentin Beatrix Körner von der Katholischen Seelsorgeeinheit Michaelsberg, die sich freuen, das dieses wichtige Stück Erinnerungsarbeit nun realisiert werden konnte. In das Vorhaben tatkräftig eingebracht haben sich Orstvorsteher Karl Mangei und Dietmar Konanz, Vorsitzender des Heimatvereins Untergrombach, der den Kontakt zur Firma BGT Bischoff Glastechnik AG in Bretten ermöglicht hat. Die Kosten für beide Steine belaufen sich auf rund 1.600 Euro. Wenn Sie diese wichtige Erinnerungsarbeit unterstützen wollen, wenden Sie sich bitte an die Evangelische oder Katholische Gemeinde Untergrombach.

 

Das Ökumenische Jugend-Projekt Mahnmal ist ein ökumenisches Projekt beider Kirchen, das im Jahre 2005 der Öffentlichkeit übergeben wurde. Es wird dann beendet sein, wenn alle 137 badische Gemeinden, aus denen Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens nach Gurs verschleppt wurden, mit einem Gedenkstein vertreten sind. Der neu gesetzte Untergrombacher Stein wird hierzu nun seinen Beitrag leisten. Das Mahnmal in Form eines Davidsterns befindet sich auf dem Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend in Neckarzimmern, Steige 50. Die Einweihung der neu hinzukommenden Steine findet am 23. Oktober 2011 von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr statt, bei der auch Zeitzeugen anwesend sein werden. (bär)

 

 

Gedenksteine für die am 22. Oktober 1940 deportierten und ermordeten Untergrombacher Juden werden hergestellt. Katholische und Evangelische Jugendliche aus Untergrombach betätigen sich als "Bildhauer"......

 

Bis zum 15. Oktober 2011 muss der erste Stein fertig sein, der am 23. Oktober am Mahnmal auf dem Gelände der evangelischen Tagungsstätte in Neckarzimmern eingeweiht werden soll - gegen das Vergessen und zum Gedenken an die Deportation der Juden in das Lager nach Gurs in den Pyrenäen. Schon einige Stunden haben Jugendliche der evangelischen und katholischen Gemeinde Untergrombach an den Gedenksteinen gearbeitet. Unter der fachkundigen Anleitung von Steinmetzin Sonja Stadelwieser von der Firma Stadelwieser in Heidelsheim wird der zuvor angefertigte Entwurf der Jugendlichen, den diese unterstützt vom Untergrombacher Heimatforscher Dietmar Konanz angefertigt haben, nun in Stein gemeißelt.

 

   

Übertragung des Entwurfes auf den Stein

Wenn dieser Gedenkstein fertig ist, dann wird hinter einem zerbrochenem und zersplitterten Glas, das an die Vernichtung jüdischer Gemeinden und die Zerstörung oder Umwidmung ihrer Gotteshäuser erinnert, ein Fensterbogen erkennbar sein. Er erinnert an den noch vorhandenen Fensterbogen der Untergrombacher Synagoge. Unter diesem Bogen entstehen die drei hebräischen Buchstaben Schin, Daleth und Jod, für "(El-)Shaddai", einer der hebräischen Gottesnamen.  (Gott, der Allmächtige).

 

   

 

"Ganz schön anstrengend, aber es macht echt Spaß"!, sagen die Jugendlichen. Die Meißelarbeiten hinterlassen Spuren: Steinstaub überall, Blasen an den Händen, Steinbrocken in der Kleidung ....... Und auch Pfarrerin Andrea Knauber und Gemeindereferentin Beatrix Körner, die das Projekt begleiten, sind begeistert mit dabei und sorgen nebenbei für das leibliche Wohl. Auch der Untergrombacher Ortsvorsteher Karl Mangei, der das Projekt von Anfang an unterstützt, hat den Jugendlichen bereits einen Besuch abgestattet und sich über den Fortgang der Arbeiten informiert..

Stolz dürfen die Jugendlichen auf ihr Kunstwerk sein! Es nimmt Form an, man erkennt schon manche Umrisse. Zwei Termine gab es bis jetzt, beide zum Glück bei strahlendem Sonnenschein. (Weitere Bilder von den "fortgeschrittenen Meißelarbeiten" folgen demnächst!") Beim zweiten Treffen konnten wir parallel schon mit der Arbeit am zweiten Stein beginnen. So konnten alle gleichzeitig arbeiten.   Wir danken den Jugendlichen, die mit viel Freude und Engagement sich auf dieses Projekt eingelassen haben! Es macht richtig Spaß! Herzlichen Dank auch an Familie Stadelwieser, die uns alle Arbeitsgeräte zur Verfügung stellen und uns mit ihrem Wissen und Geduld und mit viel Freundlichkeit ermutigen!

Gemeindereferentin Beatrix Körner und Pfarrerin Andrea Knauber

 

Gedenkstein für das Mahnmal in Neckarzimmern in Arbeit  

Der Stein zum Gedenken an die Untergrombacher Jüdinnen und Juden, die am 22. Oktober 1940 aus ihrem Zuhause in Untergrombach in das Lager Gurs nach Frankreich verschleppt wurden, ist in Arbeit. Im Juli wurde der Entwurf des Gedenksteins fertiggestellt. Mitte September hat die Gruppe von Jugendlichen aus der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde in Untergrombach ihre praktische Arbeit am Stein begonnen. Angeleitet werden die Jugendlichen von der Heidelsheimer Steinmetzin Sonja Stadelwieser-Spiegel.  

Das Jugendprojekt „Mahnmal für die deportierten Juden und Jüdinnen Badens“ ist eine Initiative beider Kirchen und wird begleitet von Pfarrerin Andrea Knauber und Gemeindereferentin Beatrix Körner in Zusammenarbeit mit Ortsvorsteher Karl Mangei und Dietmar Konanz, Vorsitzender des Heimatvereins Untergrombach.  

Der fertige Stein, der das Motiv des noch erhaltenen Fensterbogens der ehemaligen Untergrombach Synagoge aufnimmt, wird am Sonntag, den 23. Oktober 2011 gemeinsam mit weiteren fertig gestellten Gedenksteinen beim Mahnmal in Neckarzimmern eingeweiht. Das Mahnmal  in Form eines Davidsterns auf einer Fläche von 25 mal 25 Meter umfasst insgesamt 137 Gedenksteine, die für die 137 badischen Orte stehen, aus denen über 5600 Kinder, Jugendliche und Erwachsene jüdischen Glaubens nach Gurs verschleppt wurden. Mit der Einweihung des Untergrombacher Steines und weiterer Steine im Oktober 2011 haben sich damit rund ¾ der Orte am Projekt beteiligt.  

Das Konzept des Mahnmals auf dem Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend Neckarzimmern sieht die Herstellung von zwei identischen Steinen vor, von denen einer in Neckarzimmern und einer vor Ort stehen soll. Die Kosten belaufen sich insgesamt auf ca. 1.200 Euro. Wir danken allen Unterstützerinnen und Unterstützern aus den Kirchengemeinden, dem Ortschaftsrat und Gemeinderat, aus den Vereinen sowie zahlreichen Persönlichkeiten, die sich für diese bedeutsame Erinnerungsarbeit einsetzen. (ak, aus Gemeindebrief 1/2012)

 

Mahnmal für die deportierten Juden und Jüdinnen Badens in Neckarzimmern.

Untergrombach beteiligt sich!

 

Das ökumenische Projekt „Mahnmal für die deportierten Juden und Jüdinnen Badens“ soll an das Schicksal der am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportierten badischen Juden und Jüdinnen erinnern. Aus 137 Orten Badens wurden damals über 5.600 Juden – Kinder, Jugendliche, Erwachsene, ältere Menschen, Gesunde wie Kranke – deportiert. Für die meisten der Deportierten bedeutete Gurs eine Zwischenstation. Sie wurden weiter nach Auschwitz oder Sobibor transportiert und ermordet.

Das Projekt Mahnmal - ein Projekt für Jugendliche ab 14 Jahren, für Jugendgruppen, für Schulklassen aller Schularten:

  • die sich herausfordern lassen, unsere Gesellschaft mitzugestalten, in dem sie sich mit der Geschichte der jüdischen Bevölkerung Badens auseinandersetzen,

  • die Begegnung mit Bürgerinnen und Bürgern jüdischen Glaubens suchen,

  • den Wert und die Bedeutung einer anderen Kultur und Religion schätzen lernen,

  • eigene Formen des Erinnerns und Gedenkens entwickeln.

Das Projekt möchte Jugendliche und Jugendgruppen motivieren, in ihren Gemeinden auf Spurensuche zu gehen, ihre Ergebnisse zu dokumentieren und zwei identische Gedenksteine, so genannte Memorialsteine, zu gestalten. Der Grundgedanke: ein Stein bleibt in der Gemeinde, der andere wird Teil des Mahnmals für die Opfer der Deportation auf dem Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend in Neckarzimmern.

Am 24. Oktober 2004 wurden die ersten Memorialsteine dort aufgestellt. Am 23. Oktober 2005 wurde das Mahnmal an die Öffentlichkeit übergeben. Abgeschlossen ist es das Projekt, wenn alle 137 Orte einen Gedenkstein aufgestellt haben.

Das Mahnmal in Form eines Davidsterns wurde von dem Gondelsheimer Künstler Karl Vollmer entworfen. Das ökumenische Jugendprojekt Mahnmal steht unter der Schirmherrschaft von Kultusministerin Dr. Annette Schavan und in Kooperation mit dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft  Baden und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Die Trägerschaft liegt beim Amt für Kinder- und Jugendarbeit der Evang. Landeskirche in Baden und bei der Abteilung Jugendpastoral der Erzdiözese Freiburg.  (Auszug aus der offiziellen Broschüre zum Projekt Mahnmal)


Aktualisiert am 31. Oktober 2011