Worte an die Gemeinde

                          Liebe Leserin, lieber Leser!   

Zwei Stabfiguren, aus Holz geschnitzt: ein Mann mit langem Bart und einer typisch jüdischen Kopfbedeckung. Er geht voran, das Hab und Gut in einem Koffer tragend. Ihm folgt ein Esel, auf dem eine Frau sitzt und ihr neugeborenes Kind schützend in den Armen hält.

Begegnet sind mir diese anrührenden Figuren im Museum, das in der ehemaligen Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler in Krakau zu besichtigen ist. Die Figuren erzählen die Geschichte von der jüdischen Frau Miriam und dem jüdischen Mann Josef, die von Gott mit einem Kind namens Jeshua / Jesus („Gott rettet“) gesegnet wurden.

Die Szene spielt vor einem Gräberfeld. Neues Leben und alter Tod so nah beieinander. Miriam/Maria ist gehüllt in einen weiten Mantel. Es wird kalt gewesen sein in der Nacht der Flucht – bedingt durch die nächtliche Stunde und vielleicht auch durch die Jahreszeit. Kalt besonders aber aufgrund fehlender menschlicher Wärme.

„Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir Bescheid sage! Denn Herodes wird das Kind suchen, um es umzubringen.“, sagt Gott. (Matthäusevangelium 2, 13).

Ich stelle mir vor, wie die jüdischen Arbeiterinnen und Arbeiter sich die jüdisch-christliche Geschichte ihrer Leidensgenossen Miriam und Josef erzählt und angeschaut haben. Ich stelle mir vor, wie sie sich mit ihrem eigenen Schicksal in diesen ihren Vorfahren wiederentdeckt haben; wie sie zugleich an der Hoffnung festgehalten haben, dass Gott auch sie vor dem sicheren Tod retten kann.

Die Figuren mit ihrer Geschichte werden einen Funken Hoffnung versprüht haben. Jenen Funken Hoffnung, der den verängstigten Schwestern Miriams und Brüdern Josefs Wärme in den eiskalten Nächten und Tagen nationalsozialistischer Verfolgung geschenkt haben mag. Jenen Funken, der die Hoffnung auf die ersehnte, entscheidende Wende in ihnen wach hielt: Die Hoffnung auf Rettung vor dem sicheren Tod.

„Als Herodes gestorben war, da erscheint dem Josef in Ägypten eine Engel des Herrn im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und geh ins Land Israel. Den die dem Kind nach dem Leben trachteten, sind tot“ (Matthäusevangelium 2, 19.20).

Für die jüdischen Arbeiterinnen und Arbeiter in Oskar Schindlers Emaillewarenfabrik in Krakau trat diese Wende mit dem Ende des Krieges tatsächlich so ein. Für Millionen andere Verfolgte kam sie zu spät. Meist bleib nicht einmal ein Grab als Ort des Erinnerns. Die Hoffnung aber, dass Gott Menschen vor Verfolgung, Gewalt, Leid zu retten vermag wie einst die Heilige Familie, ist bis heute geblieben.

Das ist Weihnachten: den Verfolgten aller Zeiten zugewandt zu sein, mit ihnen gemeinsam an der Hoffnung auf Rettung festzuhalten und an dieser Rettung mitzuwirken. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine hoffnungsvolle und er-rettende Heilige Nacht voll von göttlicher und menschlicher Wärme!

Ihre Pfarrerin

 

 

- Andrea Knauber -

 

Rückblick auf das Jahr 2011

Jahresrückblick allerorten – auch bei uns! Bilder entstehen von gemeinsamen Festen, d i e wir feierten, wie das Gemeindefest als „Gottesdienst im Grünen“ in Obergrombach oder das 25jährige Frauenkreisjubiläum im Juli mit der Ausstellung „Frauen der Bibel“ von Marianne Merz. Eindrücke bleiben von Gottesdiensten, die wir in unserer Gemeinde feierten: von den ‚ganz gewöhnlichen’ Sonntagsgottesdiensten oder den Hohen Festtagen bis zu den besonderen Ereignissen in einem Gemeindeleben wie den Konfirmationen. Erinnerungen stellen sich ein an Begegnungen und Gespräche miteinander in den unterschiedlichsten
Momenten des Lebens: in Hochzeiten und Zeiten persönlicher Krise oder Trauer. Impulse bewegen, die in den Gruppen und Kreisen aufgenommen werden konnten, sei es etwa – und hier bleibt die Aufzählung unvollständig – im Frauenkreis und im Männerclub, beim Bibelgespräch am Morgen, beim Wandern mit Rucksack und Bibel, bei der Feierabendkirche oder beim Glaubenskurs „Emmaus“, mit dem wir uns um so genannten Jahr der Glaubenskurse gemeinsam auf den Weg des Glaubens begeben haben.

Auch das ein lange geplantes Gemeindeprojekt – wie auch die Neugestaltung des Vorplatzes vor unserer Gustav-Adolf-Kirche: Hier gehen die Planungen mit in das neue Jahr. Sie haben uns Älteste wie auch den Architekten länger beschäftigt als wir dachten. Nun gibt es ein interessantes Konzept, die Umsetzung allerdings hängt besonders auch an einer machbaren
Finanzierung. Diesbezüglich waren noch einige Fragen zu klären. Denn nach der Budgetierung des Haushaltes der Gesamtkirchengemeinde und der Verlagerung eines Großteils der Finanzverantwortung auf die Gemeinde arbeiten wir uns gerade in die Zahlen ein. Eines ist deutlich: Dank Ihrer Spenden sind wir auf dem Weg! Als kleineres und schneller zu realisierendes Ziel haben wir den Umbau der Sakristei in Angriff genommen und verabschieden uns von einer (von den einen vielleicht sogar geliebten, von den anderen hingenommen) Atmosphäre einer besseren Abstellkammer! Wir hoffen, dass auch Sie Ihre Freude an diesem neu gestalteten und funktionalen Raum haben werden.

Wir freuen uns nach wie vor über die guten Entwicklungen im Kindergarten Arche Noah, sind fasziniert von dem Schwerpunkt „Theater“, den der Förderverein der Christusgemeinden finanziell unterstützt und danken dem Team unter Leitung von Ute Wilde für die hervorragende Arbeit unter personell angespannten Bedingungen, die jetzt endlich entspannt werden konnten. Ein Dank geht auch an die Elternbeiräte und an alle Eltern, die sich für den Kindergarten in hohem Maße engagieren!
Dankbar sind wir für Ihre und Eure Mitarbeit im Kindergottesdienst, Krabbelgottesdienst oder der Jungschar und freuen uns, dass sich im neuen Jahr 25 Jugendliche aus Unter- und Obergrombach konfirmieren lassen wollen. Ein ökumenisches Jugendprojekt hat in diesem Jahr einen Gedenkstein für die deportierten jüdischen Untergrombacher hergestellt; ein Projekt, bei dem Pfarrerin Andrea Knauber wesentlich involviert war. Viele helfende Hände gab es bei den Gartenaktionen im Kirchgarten wie auch beim Kirchkaffee. Auch wurde unser Kirchenbote Siegfried Kuhn nicht müde, uns im Pfarrbüro, wo wir Silvia Gagel verabschiedeten und Renate Benning willkommen heißen, tatkräftig zu unterstützen.

Nun hoffen wir, dass wir im neuen Jahr unsere großen Projekte abschließen und neue Impulse im Gemeindeleben setzen können. Ideen gibt es genug. So danken wir Ihnen und Euch für das Engagement in den verschiedenen Räumen unserer Gemeinde, für das Mittun und die finanzielle Unterstützung. Bei unserm Tun vertrauen wir darauf, dass gilt, was der Psalmbeter in Psalm 127, 1 sagt „Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wir wünschen allen gesegnetes Christfest und ein Gott behütetes Jahr 2012!

 

Pfarrerin Andrea Knauber und die Ältestenkreise Unter- und Obergrombach


Aktualisiert am 20. November 2011